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Gerne!

 

Probezeit:

Dienstag,

19:30 Uhr bis ca. 21:00 Uhr  

 

Probeort:  

Hauptschule,  

Im Odemsloh 107,  

44357 Dortmund-Westerfilde.  

 

 

 



 Die Kapellen

 

 

Wohl zu allen Zeiten hat das deutsche Volk Haus-und Volksmusik betrieben. Auch Dortmund, die frühere Ackerstadt, groß geworden durch die Industrie und Bierbraukunst, die jetzige Metropole Westfalens war seither ein Ort stiller Pflege guter Haus-und Volksmusik. Wie groß das Bedürfnis nach Musik war und zwar zu einer Zeit, als Dortmund noch viel kleiner war, geht aus der Anzahl der vorhandenen Berufskapellen hervor, die alle über einen gewissen Anhang verfügten und den Musikhunger der Bevölkerung zu stillen hatten. Neben den bekannten Kapellen Giesenkirchen und Merkert bestanden noch eine Anzahl kleinere, die infolge der damaligen regen Vereinstätigkeit alle vollauf zu tun hatten.

 

 

In den 80 er Jahren gründete sich der Philharmonische Verein, aus dem sich die Kapelle Hüttner, dann das Philharmonische Orchester und später das städtische Orchester entwickelte. Alle diese Orchester versahen die Dortmunder Bevölkerung mit guter Konzert- und Unterhaltungsmusik, Merkert und Giesenkirchen in den Fredenbaum-Anlagen, Hüttner in Zieglers Wintergarten und auf der Kronenburg. Das waren noch wirklich gute alte Zeiten, in denen die Klänge unserer besten Meister die Herzen der Menschen erfreuten. Damals waren Klänge Strauß‘scher Walzer, der beliebten Rheinländer usw. noch vorherrschend, die Jazzmusik Gottseidank noch fremd.

 

 

Volksmusikinstrumente

 

 

Während diese Berufsorchester für die öffentliche Befriedigung des Dortmunder Publikums sorgten, musizierten in aller Stille zahlreiche schaffende Volksgenossen in ihren Heimen und dienten der Liebhaberkunst. Außer dem Klavier und den Streichinstrumenten fanden eine Reihe sogenannter Volksmusikinstrumente Verwendung, so die Laute, die Gitarre, die Mandoline, die Zither, das Bandonium usw., alles Instrumente, die sich für eine Hausmusikpflege besonders eignen. Es bildeten sich gleichgesinnte Liebhaber zu Gruppen und Vereinen, in denen sich dann ein regelrechtes musikalisches Eigenleben entwickelte, von dem nun in erster Linie die Rede sein soll. Während die aus Streich- oder Blasinstrumenten bestehenden Liebhabergruppen es den Berufskapellen gleichzutun oder nachzumachen sich bemühten, spielte sich auf dem Gebiete der Zupf- und Balginstrumente eine andere Art der Liebhaberkunst ab. So pflegten die genannten Volkmusikinstrumente mehr die volkstümliche Musik. Als Volksmusikvereine waren speziell anzusprechen die Bandonium-, Zither- und Mandolinen-Vereine.

 

 

Das Bergmannsklavier: das Bandonion

 

 

Der älteste Verein dieser Art ist wohl der Dortmunder Bandonion-Club, der im Herbst des Jahres 1883 von Adolf Weber, dem Inhaber des im gleichen Jahre gegründeten Musikgeschäfts und Bandonion-Musikverlags, gegründet wurde. Unter der musikalischen Leitung dieses Fachmannes und Altmeisters wuchs die Mitgliederzahl des Klubs von Jahr zu Jahr und mancher Anfänger wurde unter der fachkundigen Anleitung von Adolf Weber als spielfertiges Mitglied dem Klub einverleibt. Zur damaligen Zeit war es noch üblich, mit der Musikpflege auch vorwiegend die Geselligkeit zu pflegen, was dem Verein auch nur zum Vorteil gereichen konnte. Als dann die Zeiten der Bandonion-Wettstreite kamen, war es immer wieder der Dortmunder Bandonionklub, der preisgekrönt mit neuen Lorbeeren heimkehrte und zu neuen Taten ausholte. Die Bandonionmusik nahm in den 80er und 90er Jahren einen erfreulichen Aufschwung. Es bildeten sich weitere Vereine, so 1889 der Nördliche Bandonion-Klub, 1894 der Concertina-Klub, 1897 der Bandonionklub "Gut Klang" usw. Weil die aktiven Anhänger dieses Instrumentes größtenteils aus der schaffenden, bergmännischen Bevölkerung herkamen, nannte man das Bandonion im Volksmunde auch "Bergmannsklavier" und das mit Recht, denn es war das Instrument des kleinen Mannes, der seinem Instrument mit hoher Begeisterung und seltener Treue diente. 1902 tauchten weitere Vereine, so der Bandonion-Klub "Frohsinn", der Bandonion-Klub "Dortmunderfeld" und der Bandonion-Klub "Harmonie" auf. Die Zentrale der Bandonionmusik blieb jedoch immer der Dortmunder Bandonion-Klub in Verbindung mit dem Musikhaus Weber, welche beide im Jahre 1943 auf eine 60jährige Existenz zurückblicken können.

 

 

Im Jahre 1894 übernahm Arthur Weber, der Sohn des Gründers, die Stableitung über den Dortmunder Bandonion-Klub. Arthur Weber, ein Virtuose auf dem Instrument und Fachmann im Instrumentenbau, brachte natürlich neues Leben und frisches Blut in die Spielgemeinde und verstand es, den Verein in kurzer Zeit auf die vollkommenste Stufe seiner Musizierkunst zu bringen. Es war und ist immer eine schöne und dankbare Aufgabe, den begeisterten und berufstätigen Mitgliedern, von denen viele Tagsüber schwerste Arbeit zu verrichten haben, zu den schönsten musikalischen Feierstunden und Feierabenden verholfen zu haben.

 

 

Im Frühjahr 1908 schlossen sich die Westdeutschen Bandonion-Vereine zu einem Verbande zusammen. Das 1. Rheinisch -Westfälische Bundesfest wurde im Herbst des gleichen Jahres in Dortmund abgehalten. 1920 wurde Arthur Weber zum Ehrendirigenten ernannt und gleichzeitig mit der musikalischen Überwachung des Klubs beauftragt, während ihm von 1920 an die Dirigenten Hans Majewski, Anton Schwarz u.a. zur Seite standen.

 

 

Wer das Bandonion als Volksinstrument und wohltönendes Zuginstrument kennen gelernt hat, weiß es auch zu schätzen und dass sich gerade die arbeitende Bevölkerung, speziell der Bergmann sich dieses Musikinstrumentes bedient, ist gewiss kein schlechtes Zeichen und wohl anzuerkennen. Denn wir Volksmusiker wissen, dass in allen Gauen Deutschlands dieses Instrument sehr beliebt und von "hoch und niedrig“ gespielt wird. Im Gegensatz zu der in früheren Jahren primitiven Handharmonika ist und war das Bandonion immer "salonfähig", d.h. in musikalischer Hinsicht vollwertiger und verwendungsfähiger.

 

 

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Arthur Weber die Bandonion-Musikliteratur durch wertvolle Eigenkompositionen bereichert und im Ganzen die Verlagsliteratur sehr gefördert hat. Wenn er auch heute nicht mehr am Pulte steht, dafür aber den musizierenden Volksgenossen die verstimmten und zersprungenen Tonzungen repariert, so darf er beruhigt und in dem Bewusstsein seine berufliche Aufgaben zum Wohle aller Volksmusiker erfüllen, denn der nunmehr 60 Jahre bestehende Bandonionklub wird in seinem Sinne weitergedeihen und nach dem 2.Weltkriege neu aufleben und weiterblühen. An anderer Stelle soll darüber gesagt werden, welche Verdienste Arthur Weber sich als Förderer der Volksmusik auf dem Gebiete der Zupfmusik erworben hat.

 

 

 

 

 

Die Zither

 

 

Neben dem Bandonion wurde die Zither von eifrigen Musikbegeisterten und Anhängern dieser sanfteren Klänge in achtunggebietender Weise gepflegt. Man war in den 80er Jahren durchaus rührig und gründete als erste Vereinigung den Dortmunder Zitherklub im Jahre 1887, im Jahre 1889 folgte der Dortmunder Zitherkranz. Als Dirigenten haben sich die Namen P. W. Dorn, Rudolf Facius, P. Ritter, G. Chastenier in den Anfangsjahren besonders verdient gemacht. In öffentlichen Veranstaltungen, die aus Anlass der Gründung sich alljährlich wiederholten, fanden die schönsten Leistungen und Aufführungen der alten und neuen Zitherliteratur ihre Würdigung.                     

 

 

 Im Jahre 1889 wurde Dortmund Sitz des Verbandes rheinisch-westfälischer Zithervereine.

 

 

1939 konnte der Dortmunder Zitherkranz seine 50jährige Jubelfeier in würdiger Weise begehen. Er hat sich durch alle Krisen und Klippen hindurch abgewunden und steht heute noch als einziger alter Zitherverein am Platze, der durch seine regelmäßigen Frühjahrs- und Herbst-Konzerte den Anhängern und Freunden des Zitherspiels immer wieder die besten Proben seines Könnens vermittelt.

 

 

Mandoline und Gitarre

 

 

In den 80er und 90er Jahren trat auch vereinzelt die Mandoline und die Gitarre als Liebhaberinstrument auf. Die verhältnismäßig kleine Gemeinde dieser Spieler gruppierte sich natürlicherweise um das Weber'sche Musikhaus, wo die musikalischen Bedürfnisse und Gedanken mit dem jungen Inhaber Arthur Weber ausgetauscht wurden. Es ist wohl kein Zufall, dass unter den begeisterten Anhängern des Mandolinen- und Gitarrespiels auch eine Anzahl im Kunstberuf tätigen Personen, vorwiegend Maler, sich befanden, die neben der Palette auch Sinn für die Kunst des Saitenspiels zeigten. Diese kleine, interne Gemeinde, ebenfalls in aller Stille tätig, wurde eines Tages im Jahre 1897 von dem jungen Weber, der selbst die Mandoline und Gitarre meisterhaft spielte, zu einem Klub vereint. Arthur Weber übernahm die musikalische Leitung, die Probeabende wurden regelmäßig abgehalten und fleißig besucht, doch bekam die Öffentlichkeit nur selten Proben der Klubleistungen zu hören. Nach Bedarf fand eine geschlossene Veranstaltung oder das übliche jährliche Stiftungsfest statt, in welchem Rahmen dann die musikalischen Fertigkeiten des "Dortmunder Mandolinenklubs" zur Geltung kamen.

 

 

Richtungsweisend: Theodor Ritter und Willi Althoff

 

 

Das musikalische Leben ist immer eng verknüpft mit den Namen der Persönlichkeiten, die in dem Mittelpunkt desselben stehen und den Antrieb zu größeren Leistungen gegeben haben. In diesem Sinne dürfen wir nicht verschweigen, dass im Jahre 1899 der Verein einen Zuwachs in Theo Ritter erhielt, der in der späteren Epoche der Zupfmusik eine richtungweisende Stellung einnehmen sollte. Theo Ritter entstammt einer musikalischen Dortmunder Familie, spielte bereits mit dem 5. Lebensjahre die Handharmonika, mit dem 9. Lebensjahr die Geige und erhielt seine musikalische Ausbildung bei dem verstorbenen Konzertmeister J. Müller und weiteren Pädagogen und Musikern. Er wandte sich später den Liebhaberinstrumenten, der Mandoline und Gitarre zu und leistete darauf und für die zukünftige Entwickelung dieses volksmusikalischen Gebietes Außergwöhnliches, worüber weiter noch gesprochen werden wird. In Theo Ritter fand Arthur Weber einen tatkräftigen Mitarbeiter und Idealisten, einen ebenbürtigen Solisten, der es verstand, durch vielseitige Anregung die beliebten Zupfinstrumente durch öffentliche Konzerte populär zu machen. Der Verein fand viele Anhänger und immer mehr Zuwachs.

 

 

Bereits im Jahre 1902 gründete sich eine neue Gesellschaft, die später die Bezeichnung „Gesellschaft der Mandolinen-und Gitarrenfreunde'' führte und zu ihrem Dirigenten den bereits bewährten Solisten und Pädagogen Theo Ritter erwählte. Über 15 Jahre lang hat Ritter diese Gesellschaft in idealerweise geführt, zahlreiche Konzerte u. Vortragsabende veranstaltet, bedeutende Solisten zur Mitwirkung herangezogen und das Orchester auf eine beachtenswerte musikalische Stufe gebracht.

 

 

Der Weltkrieg 1914-18 fand die Gesellschaft nicht untätig, sie stellte sich in den Dienst der Wohltätigkeit und gab für die verwundeten Soldaten unter Ritters Leitung weit über 50 Konzerte in allen Lazaretten Dortmunds, in den damaligen Lazaretten des städt. Krankenhauses, des Johanneshospitals, des Josefinenstifts, des Brüderkrankenhauses, des Lutherhauses, der Kronenburg, des Reinoldinums usw.

 

 

Eine größere Anzahl von Instrumenten (wohl 20) wurden aus Mitteln des Vereins und einzelner Mitglieder dem städtischen Kriegsliebesdienst für die Front zur Verfügung gestellt, einige Wohltätigkeitskonzerte zum Besten des Roten Kreuzes und des Kriegsliebesdienstes brachten nennenswerte Barüberschüsse für den Zweck der Veranstaltungen.

 

 

Als Ritter im Februar 1917 selbst zu den Waffen gerufen und auch in Frankreich eingesetzt wurde, mußte die Tätigkeit des Vereins zunächst eingestellt werden. Erst nach Beendigung des Krieges wurde die Tätigkeit wieder aufgenommen. Leider blieb die Revolution 1918 nicht ohne Einfluss auf den Bestand der Gesellschaft. Trotz der sogen. Vereinskrisen hat sich auch diese Gesellschaft bis auf den heutigen Tag erhalten und wird in ruhigen Zeiten die altgewohnte Tätigkeit wieder aufnehmen.

 

 

Eine besonders tatkräftige Epoche begann dann im Jahre 1921, als die Ma-Ko-Ge (Mandolinen-Konzert-Gesellschaft) ins Leben gerufen und dem seiner Zeit größten Aktivisten der Volksmusik Theo Ritter übertragen wurde. Ritter, der bis dahin in aller Stille große Unterrichtswerke für die Mandoline und Gitarre (Laute) geschaffen hatte, die nicht allein in Deutschland, sondern auch in verschiedenen Fremdsprachen im Auslande in den bisher größten Auflagen Absatz fanden, brachte erstmalig nach dem Kriege eine deutsch-volkstümliche Richtung in die Mandolinenbewegung, in der leider zum Überfluss die seichte ausländische, vor allem die süßlich-italienische Literatur Verwendung gefunden hatte.

 

 

Aus seiner Schule gingen zahlreiche Musiklehrer für Laute, Gitarre, Mandoline, Sänger zur Laute und Solisten hervor. Ganz besonders ragt ein Sohn unserer Stadt Willi Althoff als Solist für Mandoline, Gitarre und Banjo hervor, der in sämtlichen deutschen Sendern regelmäßig und dauernd als Gast seine virtuose Kunst zur Geltung bringen konnte und heute als der beste deutsche Solist der genannten Instrumente gilt, wenn in einem Pressebericht noch kürzlich gesagt wird, "dass Willi Althoff ein vielseitiger Musiker, der Führer der Mandolinen, Virtuose auf der Mandoline, der Gitarre, dem Banjo ist und eine natürlich fließende volkstümliche Musik schreibt, die formal gekonnt ist", dann ist das eines der vielen prägnanten Urteile, die Althoff auf seinen Gebieten als Solist und Komponist verdientermaßen immer wieder auszeichnen. Zur Zeit ist Althoff bei der Wehrmacht mit der Leitung einer Instrumentalgruppe betraut.

 

 

Seit 1921 war Ritter Gaudirigent des Gaues Rheinland und Westfalen im Bunde Deutscher Mandolinisten und Gitarristen (Sitz Leipzig).

 

 

Unter seiner Leitung fanden in den Jahren 1921-1933 9 Gau-Musikfeste statt und zwar der Reihenfolge nach in Dortmund(Fredenbaum), Essen (Städtischer Saalbau), Elberfeld (Stadthalle), Münster (Stadthalle), Oberhausen (Konzerthaus), Bielefeld (Tonhalle), Dortmund (Goldsaal), Gelsenkirchen (Hans-Sachs-Haus), Neheim (Volkshalle).

 

 

Er besuchte mit seinem Orchester die großen Bundesfeste in Leipzig (Kristallpalast), Hannover (Stadthalle), Berlin (Philharmonie) , Köln (Messehalle) und errang überall beispiellose Erfolge. Dortmund wurde neidlos als die Hochburg der Mandolinenspielkunst anerkannt.

 

 

Zahlreiche Gastspielkonzerte führte die Ma-Ko-Ge in viele kleinere und größere Ortschaften, z.B. Düsseldorf, Bochum, Wiesbaden, Velbert, Hönningen, Neunkirchen (Saar), Boppard, Lüdenscheid, Werdohl usw.

 

 

Wohl 20 der besten Schallplatten-Aufnahmen wurden 1928 in Berlin getätigt und damit die Ma-Ko-Ge als das vorbildlichste Mandolinen-Orchester herausgestellt. Nicht zu vergessen die zahlreichen Mitwirkungen im Rundfunk in den Sendern Münster, Dortmund und Köln. Anerkennungen aus allen Gauen Deutschlands und auch des Auslandes bezeugen die guten und gern gehörten Darbietungen der Ma-Ko-Ge. Auf Wunsch und Anregung des Senders Münster schrieb Ritter das westfälische Volksliederpotpourri „Westfalenklänge“ für kleines Orchester, Klavier, Mandolinen-Orchester, ebenfalls auf Schallplatten aufgenommen.

 

 

Als Komponist auf dem Gebiete der Mandolinen Orchestermusik war Theo Ritter in Deutschland führend und infolge seiner deutsch-volkstümlichen Richtung und Schreibweise auch von maßgeblicher Bedeutung. Seine Werke wurden bisher weit über Deutschlands Grenzen in der ganzen Welt gespielt nachgewiesenermaßen in Frankreich, Holland, Belgien, Spanien, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, England, Amerika, Japan, Brasilien, Argentinien, Jugoslawien, Schweiz, Finnland, Rumänien, Kolonien usw.

 

 

Mit den bekanntesten Solisten hielt Ritter dauernde Fühlung und machte diese auch mit dem Dortmunder Publikum bekannt, so z.B. in wiederholten Gastspielen Heinrich Albert, München (Kammervirtuos, Gitarre), Tony Jäckel, Berlin(Lautensängerin), Miquel Llobet, Barcelona (Gitarrevirtuose), Robert Kothe, München (Sänger zur Laute), Luise Walker, Wien (Gitarrevirtuosin), Sepp Summer, der steiermärkische Dichter und Sänger zur Gitarre, das Münchener Gitarre-Kammer-Trio usw.

 

 

Ein neues, dankbares Gebiet fand Ritter in der Aufführung von Männerchören (hauptsächlich Volksliedern) mit einer neuzeitlichen Begleitung durch das Mandolinen-Orchester, in zahlreichen Konzerten auswärts und in hiesiger Stadt unter Mitwirkung namhafter Männergesangvereine mit den besten Erfolgen.

 

 

Der Begleitung der Bühnentanzkunst durch die Ma-Ko-Ge ebenfalls in zahlreichen Veranstaltungen konnte Ritter mit seinem Orchester große Reize abgewinnen. So hatte u.a. die Ma-Ko-Ge die Ehre, die Tanzkunst der von Dortmund scheidenden Ballettmeisterin Erna Abendroth im Stadttheater am 15.07.1923 unter Leitung ihres Dirigenten zu begleiten.

 

 

Seit einigen Jahrzehnten stellen die unter Leitung von Theo Ritter stehenden Mandolinen-Orchester die gewünschte Bühnenmusik für das Stadttheater und erfüllen gewiss auch damit kulturelle Aufgaben.

 

 

Die Aktivität Theo Ritters auf dem Gebiete der Volksmusik war derartig stark und von richtunggebender Bedeutung, dass er als Leiter des Fachverbandes der Bundeslehrer und Dirigenten des Deutschen Mandolinen und Gitarren-Bundes jahrzehntelang tätig war und zuletzt bis 1935 noch den Posten eines Bundesdirigenten bekleidete. In Dankbarkeit seiner großen Verdienste wurde Ritter zum Ehrenmitgliede des Bundes ernannt.

 

 

An größeren Werken schuf Ritter die Konzert-Suite Nr.1 in 4 Sätzen, eine Suite "Ländliche Hochzeit" in 3 Sätzen, einen Zyklus für Männer-Chor und Mandolinen-Orchester "Klingende Heimat", der erstmalig im September 1935 in der großen Messehalle in Köln von über 750 Mitwirkenden aufgeführt und vom Rundfunk übertragen wurde, ferner einen Zyklus für Männerchor und Mandolinen-Orchester "Des Lebens Frühling" usw.

 

 

Auf dem Gebiete des Gesanges zur Laute hat Ritter viele Volkslieder bearbeitet und in zahlreichen Bändchen bei den Verlegern Fr. Hofmeister, Leipzig und Bosworth & Co, Leipzig herausgebracht, sich ferner als musikalischer Mitarbeiter der "Heimatblätter der Roten Erde" (Verlag Aschendorff, Münster) betätigt. Ein westfälisches Volksliederbuch" für 2 Singstimmen mit Lautenbegleitung ist in der Bearbeitung von Ritter im Auftrage des Verbandes Deutscher Vereine für Volkskunde ebenfalls im Verlag Aschendorff erschienen.

 

 

Seine pädagogischen Kenntnisse hat er in umfangreichen Unterrichtswerken für die Mandoline, Gitarre (Laute) zu anerkannten Lehrmittelausgaben zusammengefasst.

 

 

Seit Einfügung des Bundes in den Reichsverband für Volksmusik in der Reichsmusikkammer ist Ritter als Gauobmann im Gau Westfalen Süd tätig. Auch im 3. Reiche hat die Ma-Ko-Ge in zahlreichen Parteiveranstaltungen, in der D.A.F. (Kraft durch Freude), im Luftschutzbund und bei Betriebsfeiern durch Mitwirkungen und Konzerten gleich schöne Erfolge zu erzielen verstanden.

 

 

Die sehr starke Verbreitung der Zupfmusik nach dem 1.Weltkriege brachte auch eine starke Zunahme von Vereinen in allen Städten und Ortschaften mit sich. Selbst Dorfgemeinden konnten kleinere und stärkere Mandolinen Orchester aufweisen. Weit über 20 000 Mitglieder waren in Verbänden organisiert.

 

 

Auch in Dortmund bildeten sich weitere Mandolinen Orchester, die aber nach Außen kaum in Erscheinung traten. Jedenfalls wurde das Gros der Volksmusik betreibenden Vereine durch die zahlreichen Mandolinen Orchester gestellt und in erster Linie in dem Bunde der Deutschen Mandolinen und Gitarrespieler musterhaft organisiert und geführt.

 

 

 

 

 

Die Handharmonika

 

 

Stark hervorgetreten ist in den letzten 10 Jahren die Handharmonika, die in den Jahren vorher ein gewisses stiefmütterliches Dasein geführt hat. An der Entwicklung und Verbreitung dieser Instrumente sind in erster Linie die großen Industrien in Trossingen usw. beteiligt, die es verstanden, aus dem einst primitiven Instrument ein vollwertigeres, wohlklingenderes zu machen. Die großen, mit allen Bass- und Akkordharmonien ausgestatteten Instrumente erfüllen heute eine ganz andere musikalische Aufgabe, die eine Verwendung des Akkordeons ganz besonders in Verbindung mit anderen Instrumenten als wertvoll erscheinen lässt. In Harmonika- oder Akkordeon-Orchestern pflegt man das Zusammenspiel, betreibt eine neuzeitliche Musikpflege arteigener Kompositionen. Auch in unserer Stadt sind einige Orchester dieser Art tätig. Besonders hervorgetreten ist der Harmonika-Spielring, der unter der Leitung von Heinz Weber, dem Sohn des Instrumentenmachers Arthur Weber, steht. Der junge Weber trägt z. Zt. auch den feldgrauen Rock, wie viele der Mitglieder aus den Volksmusikvereinen, deren Restbestand nun im Stillen und in dem klein gewordenen Kreise an der Erhaltung ihrer Vereine und an der Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben tätig ist.

 

 

Die Ortsgruppe Dortmund des Reichsverbandes für Volksmusik bestand am Beginn des jetzigen Krieges aus ca. 90 Vereinen. Außer den genannten Zupf- und Zuginstrumenten-Vereinigungen bestehen heute zahlreiche Betriebs-und Blas-0rchester, die im Zeichen der Neuordnung ihre volksmusikalischen Aufgaben zu erfüllen sich bemühen.

 

 

Der bisherige Bezirksleiter, Kapellmeister Hans Schwibbe bekleidet jetzt das Amt eines Gauleiters in der Fachschaft Volksmusik für Westfalen Süd, Bezirksleiter der Ortsgruppe Dortmund ist jetzt der Kapellmeister Hans Wagner.

 

 

Das 1. Volksmusikfest der Dortmunder Ortsgruppe wurde im März 1939 in Dortmund unter der organisatorischen Leitung von Hans Schwibbe veranstaltet, das in der Öffentlichkeit und bei der Presse starken Anklang fand.

 

 

Der Vertreter der Fachschaft Volksmusik in der R.M.K. (Reichsmusikkammer) Parteigenosse Theo Jung stellte heraus, dass der Begriff ''Volksmusik“ in seinem auf die Gegenwart bezogenen Sinne eine ernste Verpflichtung und Verantwortung der Gemeinschaft gegenüber einschließe. Jede echte Volksmusik sei aus Liebhaberei geboren und Idealismus sei die Grundlage ihres Schaffens. Volksmusik umfasse einen leichten Walzer gleichermaßen wie eine anspruchsvolle Sinfonie; indessen müsse sich jede Volksmusik treibende Gruppe der Frequenz und der Grenzen ihres praktischen Könnens bewusst sein. Hier liege die Verantwortung bei dem Dirigenten, der die Auswahl der Vortragsstücke nach den Fähigkeiten seiner Musikgemeinschaft treffen müsse. Mit aller Entschiedenheit sei es abzulehnen, wenn Volksmusik als "populäre Musik" bezeichnet wird. Die sogenannte populäre Musik, die ihren kennzeichnenden Ausdruck in "charakterlosen Charakterstücken" finde, sei im Grunde der Feind jeder echten und ernsten Musik. Die Arbeit der Volksmusik solle dem Volk geben, was das Volk braucht, was seiner Seele Halt und Kraft gibt.

 

 

Alle Veranstaltungen des 1. Volksmusikfestes fanden lebhaftes Interesse bei den Vertretern der Partei, der Behörden und der Fachmusikerschaft.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachwort

 

 

 

 

 

Der vorliegende Teil über „Das Dortmunder Volksmusikleben“ fand Margret Aßheuer bei Aufräumarbeiten in ihrem Fundus.

 

 

 

 

 

Der Autor dieser Betrachtung ist unbekannt .

 

 

Der Text entstand wohl um 1943.

 

 

Obgleich wohl ein anderer Zeitgeist feststellbar ist, wurde der Text nicht gekürzt oder verändert, da auch dies zur Redlichkeit gegenüber einer Quelle gehört. So ist die Einschätzung der Musik, vornehmlich der Jazzmusik Zeichen dafür, wie persönlicher Musikgeschmack als absoluter Maßstab hingestellt wird. Doch über Geschmack lässt sich wahrhaft (nicht) streiten.

 

 

Alte Gebietseinteilungen halten sich bis zum heutigen Tage; so spricht der ADAC, der Allgemeine Deutsche Automobilclub immer noch vom Gau Westfalen usf.

 

 

Die musikalische Unterhaltung bei Parteiveranstaltungen kann zwar auch als Unterstützung der Partei interpretiert werden, doch ist diese Auslegung zu hoch gegriffen: es ging wohl in erster Linie um die Freude an der Mandolinenmusik, die man Menschen weitergeben wollte.

 

 

 

 

 

Am Anfang des Textes ist auch von Kapellen die Rede als Vorläufer der Dortmunder Philharmoniker. Ihre Geschichte kann man nachlesen auf ihrer Internetseite.

 

 

                                    Peter Will, 2019

 

Kurze Vereinschronik

der

Ritter's

Mandolinen-

Konzert-Gesellschaft

Dortmund

 

Die Mandolinen-Konzert-Gesellschaft Dortmund (Ma-Ko-Ge) wurde am 27.10.1921 in Dortmund ins Leben gerufen.

Mitbegründer Theodor Ritter, ein Vorkämpfer der Zupfmusik, wurde erster Dirigent des Orchesters, das sich am 22.02.1922 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte.

Danach erfolgten Schallplatten- aufnahmen und Konzerte, u.a. beim Rundfunk.

Die Jahre 1939 -1945 brachten jede Vereinsarbeit zum Erliegen.

Bereits 1946 nahm Theodor Ritter mit einem Notvorstand die Vereinstätigkeit wieder auf.

In der Jahreshaupt-versammlung am 06.01.1948 beschlossen die Mitglieder mit Zustimmung von Theodor Ritter den Namen ihres Gründers mit in den Vereinsnamen aufzunehmen. Seitdem nennt sich der Verein in Kurzform:Ritter' s Ma-Ko-Ge.

Nach dem Tode Theodor Ritters im Jahre 1950 übernahm sein Schwiegersohn

Willi Althoff die musikalische Leitung.

Unter seiner Stabführung

konnte das musikalische Niveau weiter angehoben werden. Konzerte, Mitwirkungen bei Vereinen, Gau- und Bundesmusikfeste sowie Aufnahmen beim Westdeutschen Rundfunk wechselten einander ab.

Im Juni 1971, während der Vorbereitungen für das Konzert zum 50-jährigen Bestehen des Orchesters, verstarb Willi Althoff. Die Dirigentschaft wurde seiner Tochter Margret Aßheuer,  anvertraut. In seiner  Enkelin bekam Theodor Ritter eine würdige Nachfolgerin. Diese Tätigkeit übt sie seit nunmehr 48 Jahren aus.

 

 

 

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